Focus online:
29.7.2010
Atomindustrie dringt auf „15 Jahre plus X“

Für die überdurchschnittliche Sicherheitskultur in deutschen Kernkraftwerken steht auch der Faktor Mensch. Alle Mitarbeiter sind hoch qualifiziert und werden regelmäßig fortgebildet, sodass höchstes fachliches Know-how gewährleistet ist. Mit durchschnittlich 250 Mitarbeitern eines jeden Kernkraftwerks nehmen jedes Jahr rund 70 Prozent der Belegschaft einer Anlage an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teil. Schichtleiter, Reaktor- und Turbinenfahrer verbringen bis zu 15 Prozent ihrer Arbeitszeit allein mit Trainings im Dienste der Sicherheit. Herzstück der sicherheitstechnischen Qualifikation sind Übungen im Simulatorzentrum, das die Gesellschaft für Simulatorschulung mbH und die Kraftwerks-Simulator-Gesellschaft mbH in Essen-Kupferdreh betreiben. In der weltweit größten Einrichtung ihrer Art sind die Kontrollwarten 16 deutscher und einer niederländischen Anlage detailgetreu nachgebaut. Ein gläsernes Modell eines Druckwasserreaktors erlaubt es zudem, komplexe thermohydraulische Vorgänge im Innern des Reaktors nachzuvollziehen. Simuliert werden in Essen mit Hilfe aufwendiger Softwareprogramme nicht nur beliebige Standardsituationen, sondern vor allem auch Störfälle verschiedenster Ausprägung. Auf diese Weise können sowohl technische Abläufe als auch das Kommunikationsverhalten im Krisenfall effizient und in Echtzeit trainiert werden. Sinnvoll ergänzt wird das Übungsprogramm des KSG/GfS-Simulatorzentrums durch psychologische Spezialtrainings, denen sich alle Schichtmannschaften deutscher Kernkraftwerke im Rhythmus von zwei bis drei Jahren unterziehen.