Ausbildung, Schulung und Wissensmanagement in der Kerntechnik in Europa
P. Beeley, V. Slugen, R. Kyrki-Rajamäki
Die Ausbildung in der Kerntechnik im Hinblick auf deren friedliche und sichere Nutzung befindet sich zurzeit in einer komplizierten Lage. Nach über 20 Jahren Flaute beim Bau neuer Kernkraftwerke - vor allem in Europa und den Vereinigten Staaten - besteht heute wieder ein sehr starkes Interesse an der Stromerzeugung aus Kernenergie. Zu dieser "Renaissance" der Kernenergie haben viele Faktoren beigetragen, darunter auch die Besorgnis über mögliche Klimaveränderungen aufgrund der antrophogenen CO2-Emissionen.
In der 2000 erschienenen Studie der OECD/NEA "Ausbildung und Schulung in der Kerntechnik - Grund zur Besorgnis" wird auf die Notwendigkeit einer Renaissance in Ausbildung und Schulung in der Kerntechnik hingewiesen, und es werden einige Empfehlungen ausgesprochen. Das Europäische Kernenergieforum (ENEF) hat die Ausbildung in der Kerntechnik als eines der größten Risiken für die Kernenergieindustrie bezeichnet. Die Renaissance der Kernenergie hänge davon ab, dass mehr Ingenieure in einem breiten Spektrum von kerntechnischen Disziplinen gut ausgebildet werden.
Die Welt hat darauf reagiert. Es sind Netzwerke entstanden, die der Notwendigkeit Rechnung tragen, das Wissen in der Kerntechnik zu erhalten und fortzuschreiben, damit für den zukünftigen Betrieb von Kernkraftwerken entsprechend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht.
Die Qualität von Ausbildung, Schulung und Wissensmanagement wird von der Entwicklung der Kernforschung, der Nutzung von Versuchs- und Schulungsanlagen, vom Vorhandensein geeigneter Netzwerke zur Aus- und Weiterbildung, den notwendigen Softwaretools, Fernunterrichts- und E-Learning-Einrichtungen und einer Vielzahl von Aktivitäten im Wissensmanagement entscheidend beeinflusst und gefördert.
Der hochgerechnete jährliche Bedarf an neuen Ingenieuren in der Kerntechnik weltweit in den nächsten 10 Jahren wird die bestehenden Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen im Hinblick auf ihre vorhandene Kapazität sowie die Auslastung von Hörsälen, Laboratorien und anderen Einrichtungen, wie Simulatoren für grundsätzliche Abläufe, einer Belastungsprobe aussetzen. Außerdem muss man unter Umständen die Zahl der in der Kerntechnik Beschäftigten mit Hochschulabschluss erhöhen, damit der notwendige Bedarf an Ausbildung/Schulung neuer Industriearbeiter gedeckt werden kann. Das wird lange dauern. Im europäischen Rahmen werden viele dieser Programme durch private und öffentliche Förderung ebenso wie in Private-Public-Partnerships fortgeführt werden.