Grußwort zur Jahrestagung Kerntechnik 2010 in Berlin
Deutsches Atomforum e.V.
Der Präsident
R. Güldner
Als die christlich-liberale Regierungskoalition am 26. Oktober 2009 ihren Koalitionsvertrag unterzeichnet, setzt sie einen Meilenstein deutscher Energiepolitik. Die Bereitschaft, die Laufzeiten für die deutschen Kernkraftwerke als Brückentechnologie zu verlängern, ermöglicht die Gestaltung einer zukunftsweisenden Energieversorgung unseres Landes: die erneuerbaren Energien stärken und die Laufzeiten der Kernkraftwerke verlängern. Die Politik wird die Details der Ausgestaltung einer Laufzeitverlängerung in Gesprächen mit den Betreibern klären. Die Energieversorger sind jederzeit bereit, offen und konstruktiv in solche Verhandlungen einzutreten.
In einem weiteren wichtigen Punkt hat Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen den Koalitionsvertrag bereits umgesetzt. Mitte März traf er die verantwortungsvolle Entscheidung, das Moratorium zu einer ergebnisoffenen Erkundung des Salzstocks Gorleben als Endlager für hochradioaktive Abfälle aufzuheben. Das Deutsche Atomforum hat diese Ankündigung begrüßt und erwartet, dass die Erkundung zügig zu Ende gebracht wird, um schnellstmöglich Klarheit über die Eignung oder Nichteignung Gorlebens zu erlangen. Das erwarten auch die Menschen in Deutschland. Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Februar 2010 im Auftrag des Deutschen Atomforums e.V. - DAtF sind 60 Prozent der Deutschen für eine weitere Nutzung der Kernenergie in Deutschland, wenn die Frage der sicheren Endlagerung radioaktiver Abfälle gelöst wäre.
Ein Blick über den deutschen Tellerrand zeigt, dass die Kernenergie international auch in der Zukunft eine wesentliche Rolle im Energiemix einnehmen wird: Vor wenigen Monaten hat Präsident Barack Obama nochmals unterstrichen, dass die USA auch künftig auf den Beitrag der Kernenergie nicht verzichten werden. Die ehemaligen Ausstiegsländer Italien und Schweden planen ebenfalls Neubauten. In Großbritannien und der Schweiz werden Ersatzbauten vorangetrieben. In China sollen 30 neue Anlagen entstehen, von denen 10 bereits im Bau sind. Das sind nur wenige Beispiele für einen klaren Trend. Dabei fällt auf, dass dieser Trend den forcierten Ausbau der erneuerbaren Energien nirgendwo behindert oder ausschließt. Im Gegenteil, die meisten Länder haben gleichzeitig ambitionierte Ausbaupläne für die erneuerbaren Energien.
Das ist hierzulande nicht anders. Deshalb gehört die energiepolitisch gebotene und volkswirtschaftliche vernünftige Koexistenz von Kernenergie und erneuerbaren Energien zu den zentralen Themen der JAHRESTAGUNG KERNTECHNIK 2010 in Berlin. Im Namen des Deutschen Atomforums möchte ich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich begrüßen und allen, die mit der Vorbereitung und Durchführung der Jahrestagung betraut sind, sehr danken. Mein ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle Dr. Walter Hohlefelder, der seit April 2004 bis vor wenigen Tagen dem Deutschen Atomforum als Präsident vorstand und hervorragende Arbeit geleistet hat. Sie setzt Maßstäbe und ist das Fundament für eine auch zukünftig erfolgreiche Beteiligung des DAtF am öffentlichen Meinungsbildungsprozess.